Grenze Mauretanien – Marokko

Nach noch einmal ein paar intensiven Nächten in der mauretanischen Wüste erreichen wir Nouadhibou, die letzte Stadt vor der Grenze – eine sandige Halbinsel, die wie ein langer Arm ins Meer hinausragt. Die Hitze liegt schwer in der Luft, der Wind hat sich für einen Moment zurückgezogen, und Millionen von Fliegen scheinen genau diesen stillen Augenblick für sich zu beanspruchen. Sie tanzen über dem Müll, der sich durch die Stadt zieht, und machen das Ankommen nicht gerade leichter.

Und doch: Es gibt auch hier diese besonderen Momente. Unser Stellplatz mit Blick aufs Meer entschädigt für vieles. Nachts schlafen wir zum Rauschen der Atlantikwellen ein, während der weisse Sand und die vom Wind zerfressenen Kalksteinformationen im Mondlicht fast unwirklich wirken.

Die Wüste Mauretaniens bleibt uns in ihrer stillen Grösse besonders in Erinnerung. Die sanften Linien der Dünen, die sich seit Jahrhunderten zwischen kargen Bergen und zerklüfteten Felsformationen ziehen. Die Farben – mal warm und golden, dann wieder kühl und fast grau – verändern sich mit jedem Licht. Kaum vorstellbar, dass hier einst eine üppige Savanne lag, durchzogen von Tierherden. Heute wirkt diese Vorstellung fast mystisch.

Eine willkommene Veränderung bringt eine Kaltfront mit ganz wenig Regen – ein Segen gegen die Fliegenplage.

Dann steht sie an: die Grenze.

Nach all den Geschichten über schwierige Grenzübertritte sind wir fast überrascht, wie ruhig alles abläuft. Auf mauretanischer Seite geht es erstaunlich unkompliziert voran. Eine kleine Anekdote bleibt uns dennoch in Erinnerung: Am Ausgang des Postens steht gross «Mauritanie Post». In Gedanken schon bei den geschriebenen, aber noch nicht frankierten Postkarten, versuche ich mich an zwei Männern vorbeizuschlängeln – nur um festzustellen, dass ich gerade versuche, durch den «Posten» zu gehen und nicht zur Post. Erst später, beim marokkanischen «Poste», kommt mir der sprachliche Unterschied zwischen «la Poste» und «le Poste» wieder in den Sinn. Ein kleiner Moment zum Schmunzeln.

Auch Yann sorgt für einen kurzen Auftritt: Während alle brav in der Schlange warten, fährt er kurzerhand bis zum Posten vor – woraufhin ein wenig begeisterter Grenzbeamter ihn prompt zurückpfeift. Ja, diesmal ist die Warteschlange tatsächlich ernst gemeint. Es ist Mittag, 1h30 Wartezeit während die Beamten ihr Mittagessen verspeisen.

Kurz vor der marokkanischen Grenze folgt dann der grosse Check: Scanner, Spürhunde, Kontrolle – alles wirkt plötzlich sehr europäisch. Wir werden gründlich durchleuchtet. Ein Lastwagen  vor uns hat weniger Glück: Er muss komplett entladen werden. Kisten, Säcke, Taschen – alles wird einzeln geöffnet. Zum Vorschein kommen unzählige Schuhschachteln, die sorgfältig geprüft und wieder verstaut werden. Für uns fast ein kleines Schauspiel – für den Fahrer wohl eher weniger amüsant.

Ein Grenzbeamter fragt , ob wir illegale Tiere mitführen. Yann sagt trocken: «Ja, unsere kleinen blinden Passagiere – zwei Ameisenkolonien, die wir seit dem Senegal mitführen.» Der Grenzbeamte findet das zum Glück auch irgendwie witzig.

Nach rund vier Stunden haben wir es geschafft. Die Grenze liegt hinter uns, und wir rollen weiter Richtung Norden.

Die Westsahara, heute unter marokkanischer Verwaltung, empfängt uns mit starkem Wind. Die Landschaft ist flach, weit und offen – kaum Schutz vor den Böen, die unablässig am Auto rütteln. Wir entscheiden uns, die ersten Nächte in festen Unterkünften zu verbringen. Die Strasse ist gut ausgebaut, doch schon wenige Meter daneben beginnen wieder Pisten: steinig, sandig. Warnschilder erinnern daran, die Wege nicht zu verlassen – Minengefahr, ein stilles Echo vergangener Konflikte.

Und doch sind es die Begegnungen, die bleiben. In einem kleinen Ort besuchen wir spontan eine Schulklasse, die abends freiwillig Zusatzunterricht nimmt. Die Neugier ist auf beiden Seiten gross. Wir lachen, tauschen uns aus, sprechen über Sprachen, Bücher und das Lernen. Es sind diese Momente, die Brücken bauen.

Je weiter wir nach Norden kommen, desto rauer wird das Wetter. Im Hohen Atlas fällt immer noch Schnee, und wir reisen durch eine kühle, windige Landschaft – ein starker Kontrast zu den heissen Tagen der Wüste.

Und wieder einmal wird uns bewusst, wie schnell sich alles verändern kann auf dieser Reise.

Mauritania–Morocco Border

After a few more intense nights in the Mauritanian desert, we reach Nouadhibou, the last town before the border—a sandy peninsula stretching far into the sea. The heat hangs heavy in the air, the wind has calmed, and millions of flies seem to take over this quiet moment, buzzing over the piles of waste scattered across the city.

Yet, there is beauty here too. Our campsite overlooking the ocean makes up for much. At night, we fall asleep to the sound of Atlantic waves, while the white sand and wind-eroded limestone formations glow under the moonlight.

Mauritania’s desert stays with us in its quiet vastness—the endless dunes, the shifting colors, the ancient formations. It feels almost surreal to imagine that this was once a lush savannah full of wildlife.

A cold front with a bit of rain finally brings relief from the flies.

Then comes the border.

Despite all the stories, the Mauritanian side is surprisingly smooth. A small anecdote makes us smile:  At the exit of the checkpoint, a large sign reads “Mauritanie Post.” Already thinking about the postcards we had written but not yet stamped, I try to slip past two men – only to realise that I am actually trying to walk through the checkpoint, not to a post office. Only later, at the Moroccan “Poste,” does the linguistic difference between “la poste” (post office) and “le poste” (checkpoint) come back to me. A small moment to smile about.

Yann also gets his moment when he casually drives past the waiting line—only to be firmly sent back by an unimpressed border officer. It’s lunch time. 1h30 of waiting.

On the Moroccan side, things get more serious: scanners, dogs, full inspections. An Austrian vehicle ahead of us is completely unpacked—boxes full of shoes carefully checked and repacked. Quite a scene for us, less so for the driver.

A border officer asks him whether we are carrying any illegal animals. Yann replies dryly, “Yes, our little stowaways – two ant colonies we’ve been carrying with us since Senegal.” Luckily, the officer finds it rather amusing.

After about four hours, we are through.

Morocco welcomes us with strong winds and vast open landscapes. The roads are good, but just beyond them lie rough tracks and reminders of past conflicts—warnings not to leave the path due to landmines.

Encounters remain the highlight. We visit a small evening school where children take extra lessons. There is laughter, curiosity, and genuine exchange.

Further north, the weather turns colder. Snow falls in the Atlas Mountains, and we continue through wind and chill—a stark contrast to the desert heat.

Once again, everything shifts.

🇫🇷 Frontière Mauritanie – Maroc

Après quelques nuits intenses dans le désert mauritanien, nous atteignons Nouadhibou, dernière ville avant la frontière, posée sur une péninsule de sable s’étirant dans l’océan. La chaleur est lourde, le vent s’est calmé, et des millions de mouches envahissent la ville.

Et pourtant, la beauté est là. Notre emplacement face à la mer nous offre des nuits bercées par le bruit des vagues de l’Atlantique, tandis que le sable blanc et les roches sculptées par le vent brillent sous la lune.

Le désert mauritanien nous marque profondément—par son immensité, ses couleurs changeantes, ses paysages presque mystiques.

Une brise fraîche et un peu de pluie apportent enfin un soulagement.

Puis vient la frontière.

Contrairement aux récits entendus, le passage côté mauritanien est simple. Une petite anecdote nous fait sourire :  À la sortie du poste, une grande inscription indique « Mauritanie Post ». Déjà en train de penser à nos cartes postales écrites mais pas encore affranchies, j’essaie de me faufiler devant deux hommes – pour me rendre compte que je tente en réalité de passer par le poste de contrôle, et non d’aller à la poste. Ce n’est que plus tard, au « poste » marocain, que la différence linguistique entre « la poste » et « le poste » me revient à l’esprit. Un petit moment pour en sourire.

Yann, lui, tente de passer devant tout le monde en voiture—avant d’être rapidement remis à sa place. L’agent n’est pas très amusé. Oui, cette fois, la queue est à prendre au sérieux. C’est le temps de la pause de midi. 1h30 à attendre.

Côté marocain, les contrôles sont plus stricts : scanners, chiens, fouilles. Une voiture autrichienne est entièrement vidée—des cartons remplis de chaussures sont inspectés un à un.

Un agent des frontières lui demande si nous transportons des animaux illégaux. Yann répond, un peu pince-sans-rire : « Oui, nos petits passagers clandestins – deux colonies de fourmis que nous transportons depuis le Sénégal. » Heureusement, l’agent trouve cela plutôt amusant. 

Après environ quatre heures, nous franchissons la frontière.

Le Maroc nous accueille avec du vent et des paysages ouverts. Les routes sont bonnes, mais les pistes alentours restent difficiles et parfois dangereuses.

Les rencontres restent précieuses. Nous visitons une petite école du soir, échangeons avec les enfants—curieux, ouverts, pleins de vie.

Plus au nord, le froid s’installe. La neige apparaît dans l’Atlas, et le contraste avec le désert est saisissant.

Encore une fois, tout change.

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