Across the Ocean – Aufbruch Richtung Afrika/ Setting Sail for Africa

Schon seit einigen Tagen sind wir an Bord. Die Vorräte sind aufgestockt, das Boot startklar gemacht. Axel und Yann erledigen noch kleinere Reparaturen, während Elena und ich einkaufen, sortieren, vorbereiten (nur ein klein wenig Gender spezifisch ;)) – für die grosse Fahrt.

Uns ist bewusst, dass das Wetter nicht ideal ist. Aber ehrlich gesagt, das ist es ja fast nie. Wir haben die Wahl: noch eine Woche warten, vielleicht auf ein besseres Wetterfenster – oder jetzt losziehen und dafür hohe Wellen in Kauf nehmen. Wir entscheiden uns fürs Losgehen.

Der letzte Abend in der Bucht ist ruhig und gemütlich. Am nächsten Morgen erwartet uns schönstes Wetter. Der Teide glänzt in strahlendem Weiss, denn oben liegt immer noch Schnee. Wir machen das Schiff startklar, alles ist bereit: das Deck, die Leinen, unser Beiboot, alles gut verstaut und gesichert.

Wir wollen starten – doch wie so oft läuft es nicht ganz nach Plan. Einer der Motoren springt nicht an. Oh je. Also: alle raus, Werkzeuge her. Mit vereinten Kräften – und mit Hilfe von Axels Vater, der mit seinem Boot gleich neben uns vor Anker liegt – wird repariert. Dreifache Manpower. Und tatsächlich: es klappt.

Nun geht es endlich los. Wir lichten den Anker und machen uns auf den Weg Richtung Kapverden. Während die Wellen stetig grösser werden, wird der Teide langsam kleiner, steht aber noch lange majestätisch hinter uns, fast unwirklich in seinem weissen Schneekleid.

Nach einer Weile setzen wir die Segel. Auf diesem Katamaran ist das gar nicht so einfach – es braucht Kraft, Koordination und Know-How. Aber wir sind in guten Händen: Axel ist unser Kapitän für diese Überfahrt, und er war einst Weltmeister im Segeln, Elena hat schon so machen Transfer mitgemacht und ihre drei Kinder( Lucas 9, Malo 7 und Izia 4) sind nun auch schon seit August auf dem Boot unterwegs.

Dann verlassen wir endgültig den Windschatten des Teide – und jetzt beginnt es richtig zu schaukeln. Die Wellen sind hoch, teilweise sehr hoch. Die halbe Crew wird seekrank, die Eimer sind im Dauereinsatz. Sogar Yann erwischt es. Elena hält sich tapfer. Ich kapituliere irgendwann vor den Wellen und füttere häufiger die Fische als mir lieb ist.

Die drei älteren Kinder verbringen mehrere Tage auf dem Sofa, hören Hörspiele und lassen die Zeit vorbeiziehen. Die beiden Jüngsten hingegen sind topfit, spielen stundenlang in ihren eigenen Fantasiewelten und integrieren die hohen Wellen gleich in ihr Spiel – so härzig zu beobachten. Die Wellen sollen ja hier etwas anders sein als im Mittelmeer, aber diesmal ist das wohl die Ausnahme.

Axel hält die Stellung und teilt uns Erwachsene in Nachtwachen ein. Die Wache ist gleichzeitig faszinierend und beängstigend. Millionen von Sternen, Neumond, eine unglaubliche Weite und dennoch sehr alleine auf Deck, in voller Montur (es ist kalt in der Nacht) in die Lifeline geklickt. Die Wellen türmen sich hinter dem Boot auf, sichtbar nur durch ihre weissen Kämme. Die Geschwindigkeit steigt rasant wenn wir die Wellen hinunter surfen, und fällt wieder ab wenn wir aus dem Wellental den nächsten „Berg“ erklimmen. Aber das Beste, der leuchtend Plankton, der wie eine Leuchtspur aus Diamanten neben dem Boot schwebt.

Ich schwanke ständig zwischen dem Wunsch, alles zu sehen – und dem Bedürfnis, lieber nichts zu wissen von dem, was da im Dunkeln ist. Am Tag sind die Wellen dafür klar sichtbar und immer noch immens.

Ansonsten ist das Meer leer oder zumindest was andere Menschen betrifft. In den fast sechs Tagen Überfahrt sehen wir gerade einmal vier andere Schiffe: Frachter, die wir nachts nur als schwachen Lichtschimmer wahrnehmen, weit entfernt, vorbeiziehend. Sonst: nichts…leer…alleine. Auf dem AIS kaum ein Signal. Man ist sehr allein in diesem kleinen Mikrokosmos.

Die Wellen schlagen mit voller Wucht gegen das Boot. Es rüttelt, poltert, bebt – pausenlos. Eng aneinandergeschmiegt in der Koje beschliessen Julien, Lolo und ich mehr als einmal: Nie wieder eine Überfahrt!

Doch wie das Leben so spielt – kaum sind wir in Sal, auf den Kapverden, sicher im Hafen vor Anker, ist die Hälfte davon schon wieder vergessen. Und schon werden neue Pläne geschmiedet: von unserem Boot, von Weiterreisen – vielleicht weniger grosse Überfahrten, dafür Inselhüpfen, zum Beispiel in Griechenland? On verra?

Doch zuerst kommen wir auf einem neuen Kontinent an – pünktlich zu Weihnachten. Für uns Erwachsene fühlt sich vieles vertraut an. Für die Kinder öffnet sich eine neue, spannende, chaotische und auch ein wenig überfordernde Welt.

Fortsetzung folgt …

We have been on board for several days now. Supplies are stocked up, the boat is ready. Axel and Yann take care of some final repairs, while Elena and I organise food and prepare everything for the long passage ahead. (so not gender typical ;))

We know the weather isn’t ideal – but honestly, it rarely is. We face a choice: wait another week for a possibly better weather window, or leave now and accept high waves. We decide to go.

Our last evening in the bay is calm and cosy. The next morning greets us with beautiful weather. Mount Teide shines bright white, still covered in snow. We prepare the boat, everything feels ready: the deck, the lines, our dinghy, all secured and ready.

We are about to leave when, as so often, plans change. One engine won’t start. Oh no. Out come the tools. With combined effort – and help from Axel’s father, who is anchored right next to us – the engine is repaired. Triple manpower. Success.

At last, we lift anchor and head towards Capo Verde. Teide slowly disappears behind us, yet remains visible for a long time, majestic and unreal in its snowy coat. Meanwhile the waves‘ heights increase.

After a while, we set the sails. On this catamaran, that’s no easy task – it takes strength and coordination. But we are in good hands: Axel, our skipper for the crossing, was once a world champion sailor. Elena has her fair share of experience while living on the boat already since august. The tree kids (Lucas 9, Malo 7 and Izia 4) are also well prepared.

As we leave Teide’s wind shadow, the real motion begins. The waves grow high, sometimes very high. Half the crew gets seasick, buckets become essential equipment. Even Yann is affected. Elena stays strong. I eventually surrender to the waves and end up feeding the fish far more often than I’d like.

The three older Children spend days lying on the sofa, listening to audiobooks. The two youngest, however, are full of energy, happily playing in their own imaginary worlds – a joy to watch.

Axel keeps everything running and assigns night watches. It’s both magical and frightening. Millions of stars, no moon and the bioluminescent plankton. Waves rise behind the boat, visible only through their white crests. The speed surges as we surf down a wave and slows again as we climb the next one.

I constantly waver between wanting to see everything – and wishing I didn’t know what’s out there.

During almost six days at sea, we see only four other ships: distant cargo vessels, just faint glimmers of light at night. On the AIS, almost nothing. We are very alone in our small floating world.

The waves crash violently against the hull. The boat shakes, rattles, and pounds without pause. Wave…after wave …after wave…! Lying tightly packed in one bunk, Julien, Lolo and I swear more than once: Never again we go on a crossing !

But as life goes – once we arrive safely in Sal, Cabo Verde, anchored in the harbour, half of it is already forgotten. New plans emerge: dreams of our own boat, of future journeys – maybe fewer long crossings and more island hopping, perhaps in Greece? On verra…

First, however, we arrive on a new continent – just in time for Christmas. For us, everything feels familiar. For the children, a new world opens up: exciting, chaotic, and a little overwhelming.

To be continued …

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